Die Geschichte unserer Schule

Die Gründung des Ursulinen Klosters in Raab
Das Ottokár Prohászka Bildungszentrum ist insgesamt 20 Jahre alt, aber es funktionierte fast immer als eine Schule, seitdem diese Gebäude existieren, die Ursulinen lehrten hier mehr als 200 Jahre lang.
Die Geschichte der Schule ist eng mit der Geschichte des Klosters verbunden, die zwei sind eigentlich untrennbar.

Das Kloster wurde von einer Wiener Witwe: der Frau von Ignác Neupauer, geborene Anna Pichler am 4. Juli 1726. gegründet. Das Raaber  Domkapitel als Gutsherr nahm diese Idee gern an, aber mit der Bedingung, dass die Ursulinen auch Ungarinnen aufnehmen werden.
Das Wiener Ursulinen-Kloster sandte vier Nonnen, um das neue Ordenshaus zu gründen: Schwester Alexia M. Braun als Oberin, Schwester Kristina M. Kühr und Schwester Benedicta M. Fiacher als Lehrerinnen und Schwester Cecília T. Aichpicher Laikerin. Die Nonnen kamen am 13. Juli 1726. mit Frau Neupauer in Raab an. Die Witwe kaufte 4 Häuser in Álom Gasse, um hier das Kloster ausbauen zu lassen.
Die Bewohner der Stadt empfingen die Apostelinnen der Frauenbildung mit großer Freude. Als provisorisches Klosterhaus diente unter der Hausnummer Kapitelhügel 12. In diesem Gebäude war die Residenz des Raaber Bischofs, aber damals hatte der Stadt keinen Bischof, sondern nur einen Titularbischof, István Kontor Prälat. Er segnete die Nonnen und ordnete die Klausur an, bis das neue Kloster eingerichtet wurde. Im August fing die Bildung des Mädchens in dem auch von Frau Neupauer gemieteten Nachbargebäude an, aber die Renovierung und Einrichtung des Klostergebäudes in Álom Gasse wurde erst später beendet.

Die Geschichte der Klostergebäuden bis 1926

  • Oktober 1729. wurde das Klostergebäude auf der Apáca Str. (Álom Gasse) geweiht.
  • 1746-47 wurde ein in die Richtung der Bástya Str. entworfene Gebäudeflügel mit der Unterstützung von Kaiserin Maria Theresia übergeben.
  • Am 10. September 1762. wurde eine auf der Apáca Str. neben dem ersten Klostergebäude in barocken Stil gebaute Kirche angefertigt. Die Spender waren Herr Ádám Richter und seine Frau Anna Huber. Die Fresken wurden von dem aus Raab stammenden Meister Stephan Schaller gemalt. Die neue Kirche wurde geweiht, so war das Klostergebäude ein viereckiger Block mit einem Blumengarten in der Mitte.
  • 1852. sollte die hier funktionierende Grundschule verlegt werden, deshalb ließ Josef Dresmitzer Chorherr und Hausmeister eine Modernisierung im ersten Geschoss anfangen.
  • 1892. wurde der neben der Kirche auf der Apáca Str. liegende Platz von dem Baumeister Luis Schlichter in die Richtung der Újkapu Str. eingebaut. Das ehemalige Schulgebäude funktionierte nach den Wünschen der Bewohner der Stadt als Kindergarten weiter, der schon im Jahre 1880 gegründet wurde.
  • 1898. wurde die Bürgerschule geöffnet, so verbreiteten sich die Fassaden des Gebäudes bis zur Újkapu Str. Im Erdgeschoss waren schon 6 Klassen, das Speisezimmer und Gästezimmer des Internats. Im ersten Stock gab es die vier Klassen der Bürgerschule für Schülerinnen, 3 Jahrgänge der Handwerkerklassen, Bibliothek, ein Fachkabinett und Büroraum.
  • 1908. Da die Internatsschülerinnen noch immer im Kloster wohnten, wurde ein neuer Bau unerlässlich. Das neue Internat lag an der Ecke der Újkapu und Bástya Strassen, wo einst der geschichtliche Sinn berühmte Vérhalom Gasse war. Der Bischof Graf Miklós Széchenyi verschaffte ein zinsfreies Darlehen, die bis 1921 getilgt wurde. So konnten noch 100 Schülerinnen herbergt werden, und die Oberin Margit M. Lukácsy ließ für die Ziele des Wohnheims eine schöne zum Heiligen Herz geweihte Kapelle einrichten.
  • 1921 vereinbarte das Kloster mit dem Ministerium für Bildung und Religion: Falls das Internat und die Schule jährlich eine von Ministerium ausgewählte Schülerin kostenlos versorgt, wird der Rest der Schuld erlassen.
  • 1926 wurde das Internat auf der Bástya Str. mit einem neuen Anbau dank dem Nachlass des Gyarmater Pfarrers Paul Bors und der Hilfe der ausländischen Union der Ursulinen erweitert. Klavierzimmer und Schlafzimmer wurden hier eingerichtet. Baumeister Béla Marschall renovierte den Gebäudekomplex so billig wie es damals möglich war.

Ziele und Ergebnisse in Bezug auf Bildung

Es gab zwei Arten der Ursulinen Schulen. Die Internat-Schule, in der die Töchter der vornehmenden Familien lernten und wohnten, und die Externat-Schule, die von ärmeren Schülerinnen kostenlos besucht wurde. Die Erziehungsgrundsätze der Heiligen Angela wurden in diesen Schulen der Ursulinen am besten verwirklicht.

Das Ziel der Bildung war in erster Linie der Religionsunterricht, Vorbereitung auf den Erstkommunion und Erziehung zu den Regeln und Tugenden des christlichen Lebens. Sie lehrten aber nicht nur das Lesen und Schreiben, sondern auch Musik, Kunst, Malerei, Stickerei und auch alle nützliche Nadelarbeit und Näherei. Tanzstunden waren auch gebräuchlich. In einem alten Stiftungsbrief ist lesbar, dass eine bestimmte Summe für Tanzstunden immer getrennt verwaltet wird.

Aus den früheren Zeitaltern sind zwei Anekdoten lesbar, die das Zielbewusstsein der Ursulinen Bildung widerspiegelt. Der Statthalterrat ordnete an, dass die Internatsschülerinnen zwischen 20. Oktober und 5. November für das Wintersemester, bzw. zwischen 20. April und 5. Mai für Sommersemester aufgenommen werden sollten, damit hatten sie die Absicht, die wegen der sich spät einschreibenden Schülerinnen auftretende Hinderung in Bezug auf Fortschritt zu minimalisieren.

Die Unterrichtssprache war natürlich Deutsch, da Ungarisch in dieser Zeit noch keine offizielle Sprache war.  Aber zum Nationalbewusstsein zu kommen war nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Schule spürbar in den 1820er Jahren. Als Königin Marianna, die Frau von Ferdinand des Fünften, am 19. Juni 1839 die Schule und das Kloster besuchte, wurde sie von den Schülerinnen mit einem ungarischen Jubel „Éljen!“ (Hoch soll sie leben!) begrüßt. Die Internatsschülerinnen trugen Gedichte auf Ungarisch und Deutsch vor. In der Externat-Schule begrüßte ein Mädchen die Königin mit einer schönen ungarischen Rede. Die Königliche Hoheit spendete 300 Forint zur Renovierung des Klosters, bald noch 500 Ft. Aus den Zinsen des Betrags konnten die Schwester den armen Kindern Materialien zur Nadelarbeit kaufen.

Die erste Lehrerin, die in der Schule mit ungarischem Zeugnis arbeiten konnte, war Gabriella M. Fliegly. Sie tat so viel für die Erneuerung der Frauenbildung, dass sie am 2. Juni 1875 mit goldenem Verdienstkreuz ausgezeichnet wurde, was von der Frau von Graf Otto Zichy gereicht wurde.

Erst 1926 wurde die Orden der Heiligen Ursula für Lehrer(in)bildungsanstalt im ersten Stock der Schule eröffnet. So wurde die Krone aufgesetzt, da ein solches Institut für die Ziele der Frauenbildung in der Umgebung einmalig war.

In der Schule war sowohl Stickerei als auch die Lehre der Nadelarbeit immer wichtig. Im Jahre 1898 konnte aber schon ein offizieller Stickerei-Kurs anfangen. Die Mädchen, die die vierjährige Bürgerschule beendet haben, konnten mit diesem Kurs ihre Bildung beenden. Er war aber auch eine Basis der späteren Gewerbeschule für Frauen. Während des Kurses wurden Kenntnisse zur Industrie u. a. Zeichnen oder Nähen der Unterwäsche und der Überkleidung gelehrt. Nach der Verordnung mit der Nummer 79.595/1923. des Wirtschaftsministers des Königlichen Ungarns wurde der Schule der Titel „Gewerbeschule für Frauen“ verliehen und die Organisationssatzung genehmigt, damit wurden die Ergebnisse des Stickerei-Kurses anerkannt.
Diese Organisationsveränderung ermöglichte, dass eine dreijährige, auf praktische Kenntnisse basierende Fachschule aus dem Kurs auswachsen konnte.

Bis 1930 waren die Bürgerschule und die Fachschule in einem Gebäude auf der Apáca Str.beherbergt. In diesem Jahr kaufte der Orden in der Bástya Str. ein weiteres Gebäude, um einen würdigen Platz für die Fachschule zu sichern. Um den Bedingungen und Erwartungen der modernen Pädagogik zu entsprechen wurde ein Gebäudekomlex gebaut, das das Ergebnis der selbstlosen Mühe des Schulrates war. Im September 1940 wurde das Neubau mit dem Namen »das Orden der Heiligen Ursula dr. Ottó Hóman Institut« geweiht.

Die (Nach)Wirkung des zweiten Weltkrieges

  • Zwischen 1931-1948 bekamen insgesamt 545 Schülerinnen Zeugnis in der Schule. Es bedeutete eine große Veränderung, dass ein Gesetz im Jahre 1938 aussprach, in den Schulen neben der theoretischen Bildung eher auf praktische Kenntnisse Wert zu legen.
  • Im Jahre 1941-42 wurde die „Gewerbeschule für Frauen“ Industrielle Mittelschule für Frauen umgestaltet. Diese Tatsache bedeutete auch Bauarbeit. In diesem Jahrgang wurde das Gebäude auf der Bástya Str. U-förmig erweitert, und neben der Fachschule funktionierte auch die Lehrerbildungsanstalt hier weiter. In dieser Zeit war das Ursulinen Institut das größte Bildungsinstitut in Győr, da es unter einem Dach eine Lehrerbildungsanstalt, ein Lyzeum, eine Gewerbeschule, eine industrielle Mittelschule, Bürgerschule, Grundschule und Kindergarten gab. Die Schülerinnenanzahl wuchs zwischen 1300 und 1500.
  • 1944 während des Krieges war aber die Schule geschlossen. Die Gebäude der Grundschule und des Internats wurden leider gesprengt. In dem Luftschutzkeller der Schule bekamen 500 Flüchtlingen Pflege und Schutz. Wie es möglich war, wurden die Trümmer abgeräumt und Rekonstruktion angefangen. Das Miklós Révay Gymnasium, die Staatliche Bürgerschule und Lehrerbildungsanstalt bzw. jeder Amt der Stadt baten um Platz hier und wurden auch behaust.
  • 1945 wurde die Schule für das Ziel des russischen Krankenhauses eingenommen. Die Schwester pflegten die Kranken sowohl im Schulgebäude als auch im Krankenhaus der Stadt. Daneben fingen sie an wieder zu unterrichten. Im Jahrgang 1944-45 36, dann im nächsten 38, und im Sommersemester des Jahrganges 1946-47 bekamen hier 34 Lehrerinnen Zeugnis.
  • 1948 in dem Jahr der Säkularisation der kirchlichen Schulen sollten die Schwester auch auf die Steuerung der Bildung und der Schule nicht nur verzichten, sondern auch die Schule verlassen – sie waren sogar aus ihren eigenen vier Wänden ausgewiesen. Im Kloster durften sie noch zwei Jahre lang bleiben, während dieser Zeit beschäftigten sie sich nur mit Näh- und Gartenarbeit.
  • Am 18. Juni 1950 in der Nacht ganz unerwartet kamen Polizisten und siedelten die Schwester aus, das Kloster gehörte nicht mehr zu den Ursulinen sondern auch dem Staat. Die Schwestern sollten nach Szécsény, dann später nach Újszász ziehen. Im September wurden alle Orden aufgelöst und manche Schwester und Brüder interniert oder getötet. Die anderen sollten für sich selbst sorgen, aber es war schwer eine Arbeit zu finden, weil sie wegen der kirchlichen Vergangenheit stigmatisiert wurden.

Nach der Säkularisierung wurde der Name der Apáca Str. auf Ferenc Rózsa  Str. verändert. In den ehemaligen Kloster- Internats- und Schulgebäuden waren verschiedene Institutionen tätig (in der Reihenfolge der Liste):

Das Kloster:
Bezirksrat (1950), Herberge für Frauen, die bei der Textilfirma Richards arbeiteten, Zsuzsa Kossuth Herberge für Schülerinnen

Das Internat:
József Hild Technikum für Bauindustrie, Herberge für Schüler

Die Grund- und Bürgerschule:
Staatliche Grund- und Realschule in der Str. Ferenc Rózsa
Ilona Zrínyi Gymnasium (Weiterbildungszentrum für LehrerInnen in Komitat)
Ferenc Gombos Grund- und Realschule und der Rechtsnachfolger: Innenstadtliche Grund und Realschule für Fremdsprachen und Tanz

Das Orden der Heiligen Ursula dr. Ottó Hóman Institut:
Bis 2002. Sándor Rejtő Fachmittelschule für Textilindustrie

Der neue Anfang:

Nach der 43 Jahre dauernden Verbannung bekam der Orden am 15. Juli 1993. das Klostergebäude zurück. Die noch lebende und sich bewegbare Schwestern kehrten zurück, um ihr rechtmäßiges Vermögen, ihr Heim und ihre Kirche wieder einzunehmen. Aber sie waren wegen ihres Alters nicht mehr stark genug, die Schwierigkeiten des Lehrens zu ertragen, so nahm die Győrer Diözese das Schicksal der Schule in ihre Hand.
Nach der Renovierung der Gebäude, mit der aus den Niederlanden und aus Schweden stammenden als Spende bekommenen Einrichtung und Ausstattung konnte die Schule im September 1993 in einem geeigneten Zustand, mit einem neuen Namen wieder eröffnet werden.

foto: facebook.com/regigyor
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