Prohászka Ottokár (1858 - 1927)

Ottokár Prohászka, der ehemalige Bischof von Stuhlweißenburg, ist im Jahre 1858 in Nyitra geboren. Seine Mutter war die Tochter eines schweizer-deutschen Bäckers, sein Vater war tschechisch-österreichischer Soldat. Obwohl die Muttersprache von Prohászka Deutsch war, und er Ungarisch nur im Losoncer Reformierten Gymnasium erlernte, hielt er in seiner Praxis für sehr wichtig zu den Gläubigen immer auf ihre Muttersprache zu sprechen und zu predigen. Seine Absicht verwirklichte er, als er unter Slowaken arbeitete.

Er lernte in Losonc und in Nyitra, dann in Kalocsa bei den Jesuiten. Während dieser Zeit in dem Jesuitengymnasium entschied er Mönch zu werden. In Esztergom war er Seminarist, und Erzbischof Simor schickte ihn nach Rom zu lernen, nachdem er ein ausgezeichnetes Abitur leistete. Aus Rom kehrte er als Doktor der Theologie und Philosophie zurück, arbeitete danach in Budapest als Professor, und als Lehrer und Leiter des spirituellen Lebens in dem Seminar in Esztergom. Selbst Papst Pius der zehnte ernannte/weihte ihn 1905 in Sixtus Kapelle zum Bischof von Stuhlweißenburg.

Sein Schaffen ist weit verzweigt, da er als Theologe, als namhafter Denker und Mitglied der Ungarische Akademie für Wissenschaften, bzw. als der Besitzer der zeitgenössischen umfassenden Geistesbildung tätig war. Er war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Schriftsteller, Reformer in Bezug auf sozialen Lage, Mystiker.
Er stellte Christus und christliches Leben als Vorbild nicht nur für seine Zeitgenössen, sondern auch für die jetzt lebenden und in Kultur tätigen Menschen. Seine Tiefsinnigkeit war seinem Alter voraus, er sprach erst vor 100 Jahren über solche Wahrheit, die nach mehreren Jahren später an dem zweiten Vatikanischen Konzil ausgesprochen wurde. Er äußerte seine Meinung in Bezug auf die richtige Erklärung der Heiligen Schriften, den Zusammenhang zwischen Glauben und Wissenschaft, auf die Kirche als Communio, oder volkssprachige Liturgie. Er definierte seine Berufung als Dienst, außerdem erneuerte er die Priesterbildung. Nach der Meinung von Sándor Horváth O.P. arbeitete und wirkte allein Prohászka mehr als ein ganzer Orden.

Er war daneben auch sozialer Apostel sowohl in Theorie als auch in Praxis. Er schlug in 1916 die Parzellierung des kirchlichen Großgrundbesitzes vor. Er gab sein alles Vermögen den Armen, oft verschenkte er den Bedürftigen seine eigene Schuhe auf der Straße. Er meinte, man sollte sich nicht klagen und beschweren, sondern hart arbeiten. Er engagierte sich für Arbeiter und Arme, in 1920 schlug er noch einmal die Landaufteilung vor, aber ohne Ergebnis. Aber seine Arbeit war doch nicht nutzlos, die Reformanfänge verursachten die innere Erneuerung der Kirche, die zum Zweiten Vatikanischen Konzil führte.
Er war ein wahrer Pfarrer und Bischof, er glaubte daran, dass die Menschen mit verschiedenen Muttersprachen und Kultur friedlich zusammenleben können. Ihm waren alle Glauber gleichberechtigt, die gemeinsam die Kirche Christi bedeuten.

Er starb in 1927 in Budapest. Antal Schütz sagte die Trauerrede über sein Grab. Dieser Antal Schütz bereitete Prohászkas Lebenswerk in 25 Bänden zur Drucklegung vor.

 

Quelle: Gedanken und Schriften von Dr. Lajos Pápai Győrer Bischof